Alternativen zu Amazon für Bücher, Technik und Bürobedarf

28 Dec 2020 | Christoph Kölle

Photo by Andres Urena on Unsplash

Wo kann man noch Bücher und Technik kaufen? Antworten darauf werden um so wichtiger, je marktbeherrschender Amazon wird und je mehr ethische Fehltritte sich der Konzern aus Seattle leistet. In dieser Reihe haben wir auch Alternativen zu Google und Alternativen zu Microsoft recherchiert.

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Alternativen zu Amazon:

  1. buch7, fairbuch und ecobookstore: Bücher bestellen und soziale, ökologische und kulturelle Projekte im Bereich Klima- und Umweltschutz sowie Kindernothilfe unterstützen.
  2. memolife: Bürobedarf, Kleidung, Kosmetik oder Lebensmittel im Mehrweg-Versandmodell bestellen und ein ganzheitlich nachhaltig arbeitendes Unternehmen unterstützen.
  3. Bei Technik modulare, leicht reparierbare Geräte wie das Shiftphone kaufen oder statt einem Neugerät gebrauchte und wiedererneuerte (“refurbished”) Geräte in Erwägung ziehen. Ein guter Anbieter hierfür ist AfB green & social IT.

Alternativen zu Amazon

Vielleicht erinnern Sie sich: Amazon hatte 1995 als Buchversandhandel begonnen. Heute ist es eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Der Onlinehandel stellt - gemessen am Umsatz - nach wie vor Amazons Kerngeschäft dar. Insgesamt setzte Amazon im dritten Quartal 2020 96 Mrd. US-Dollar um. Den größten Gewinn erzielen aber die Amazon Web Services (AWS), die Cloud-Computing-Sparte des Unternehmens. Mit einem Wachstum um 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr lag der Umsatz bei 11,6 Milliarden US-Dollar.

Amazon erschließt aber immer weitere Geschäftsbereiche. In einigen Städten liefert Amazon inzwischen Pakete sogar selbst aus, auch in unserer Heimatstadt Freiburg. Damit macht der Tech-Riese aus Seattle nicht nur dem Einzelhandel Konkurrenz, sondern auch der Logistikbranche.

Amazon steht häufiger im Fokus, was den Umgang mit eigenen Arbeitskräften betrifft. Und auch beim Thema Nachhaltigkeit schnitt Amazon in der Vergangenheit sehr schlecht ab. In einem Greenpeace-Report von 2017 landete Amazon auf einem der letzte Plätze. Im Juni 2020 kündigte Amazon an, einen “Climate Pledge Fund” in Höhe von 2 Mrd. USD zu gründen. Das Geld soll in Unternehmen investiert werden, die mit ihren Produkten, Dienstleistungen oder Technologien zur Verbesserung der CO2-Bilanz beitragen. Amazon selbst will bis 2040 CO2-Neutralität erreichen. Bis 2030 soll die Energieversorgung seiner Logistik- und Sortierzentren sowie von sonstiger Infrastruktur zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Laut einer kürzlich erschienen Pressemitteilung sei Amazon auf dem Weg, diesen Meilenstein bereits im Jahr 2025 zu erreichen.

Nachhaltigkeit wird in Deutschland häufig im Kontext von Mobilität besprochen. Dazu zählt auch der Logistikbereich mit seinen Lieferketten. Aber auch digitale Dienstleistungen etwa bei einem Online-Bestellvorgang verbrauchen immense Mengen an Strom. Laut einer Studie der französischen Denkfabrik „The Shift Project“ rangierte das Internet hinsichtlich des Energieverbrauchs weltweit auf Platz sechs – betrachtete man es als Land. So entfällt ein hoher Anteil der Treibhausgasemissionen nicht nur auf den Warentransport, sondern auch auf die technische Infrastruktur mit Rechenzentren und Servern. Der Anteil digitaler Technologien an den weltweiten Treibhausgasemissionen wächst dabei jährlich um 9 Prozent.

Deshalb sollten es sich Unternehmen, deren Geschäftsmodelle auf digitalen Technologien basieren und zudem Logistik erfordern, zur Aufgabe machen, nachhaltig zu arbeiten. Amazon will laut Selbstverpflichtung bis zum Jahre 2030 mit 100 Prozent erneuerbaren Energien arbeiten. Einige Unternehmen tun dies bereits heute. Solche nachhaltig arbeitenden Alternativen zu Amazon möchten wir Ihnen hier vorstellen.

buch7, ecobookstore und fairbuch

Ihre Bücher könnten Sie zum Beispiel bei buch7 bestellen. Der soziale Buchhandel setzt auf Nachhaltigkeit. Das Besondere an buch7 ist, dass das Unternehmen 75% des Gewinns spendet. Zwar hat Amazon mit AmazonSmile ebenfalls ein Spendenmodell gestartet. Mit 0,5% der Einkaufssumme fällt der Spendenbetrag aber viel geringer aus. buch7 hat mit seinem Spendenmodell bereits über 100 soziale, ökologische und gemeinnützige Projekte mit einer Spende unterstützt. Bislang entspricht das einem Spendenvolumen von 601.883 Euro (Stand: 17.12.2020).

buch7 nutzt seit 2013 Ökostrom. Für die Webserver kommt die Energie aus 100% Wasserkraft. Alles, was nicht aus regenerativer Energie betrieben werden kann, wird kompensiert, um Klimaneutralität zu erreichen. Dazu zählen laut eigener Aussage auch Arbeitswege der Mitarbeiter.

Das in Augsburg ansässige Unternehmen richtet sein unternehmerisches Handeln an der Gemeinwohlökonomie (GWÖ) aus. Diese verfolgt als oberstes Ziel des Wirtschaftens das Wohl von Mensch und Umwelt. Zudem etabliert die Gemeinwohlökonomie einen neuen Maßstab für ethisches Wirtschaften, das an sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit, hoher Transparenz und demokratischer Teilhabe ausgerichtet ist. Im Mai 2020 hat buch7 seine erste Gemeinwohlbilanz veröffentlicht.

Aufgrund der Buchpreisbindung ist es unwahrscheinlich, dass Sie bei Amazon ein Schnäppchen machen. Wenn Sie bei buch7 bestellen, dann wissen Sie, dass 75% des Gewinns an Ihrem Büchereinkauf gespendet wird. Wir jedenfalls finden das unterstützenswert.

Ebenfalls unterstützenswerte Online-Buchhändler aus Deutschland sind fairbuch und der ecobookstore. Fairbuch unterstützt die Kindernothilfe und ist sehr auf Transparenz bedacht. Der Ecobookstore setzt sich für Klima- und Umweltschutz ein. Alle drei Unternehmen arbeiten mit dem Buchgroßhandel Libri zusammen.

memolife

Die memo AG betreibt ein ökologisches Versandhaus für Waren aller Art, aber vor allem aus den Bereichen Bürobedarf, Haushalt, Bekleidung, Möbel, Lebensmittel und Naturkosmetik für Privat- und Geschäftskund:innen.

Vor Aufnahme ins Sortiment werden die Produkte eingehenden Tests unterzogen. Sie werden dabei ganzheitlich hinsichtlich ihrer Umweltauswirkungen und Gesundheitsverträglichkeit untersucht und bewertet.

Das Unternehmen aus der Nähe von Würzburg versucht auch seine Logistik möglichst nachhaltig zu gestalten. Der Versand erfolgt optional mit einem Mehrweg-Versandsystem. Die sogenannte “memo box” besteht seit 2016 aus dem Recycling-Kunststoff Procyclen und soll zur Karton- und damit Abfallvermeidung beitragen. Dafür hat die memo AG im Jahr 2017 den Nachhaltigkeitspreis Logistik der Bundesvereinigung Logistik (BVL) gewonnen. Im Jahr 2019 erfolgte etwa ein Viertel aller Sendungen im Mehrweg-System.

Auch beim Energie­- und Ressourcenverbrauch an seinem Standort in Greußenheim achtet der Versandhändler auf Nachhaltigkeit. Laut aktuellem Nachhaltigkeitsbericht liegt der Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtenergiebedarf bei 97,3 Prozent.

Die memo AG verfolgt also einen ganzheitlichen Ansatz und achtet auf Nachhaltigkeit, die bereits beim Produkt anfängt und alle Prozesse der Logistik und Unternehmensführung miteinbezieht.

Nachhaltige Technik

Aufgrund der voranschreitenden Digitalisierung werden immer mehr Smartphones, Tablets, Laptops, Computer und smarte Geräte gekauft. Wie die Studie von The Shift Project aufzeigt, fällt ein hoher Anteil von CO2-Emissionen nicht nur für den Betrieb solcher Endgeräte an, sondern vor allem für deren Produktion.

Für Neugeräte bietet Shiftphone eine interessante Alternative. Das deutsche Unternehmen verkauft modulare Smartphones. Bei diesen können einzelne Komponenten einfach repariert oder ersetzt werden. Dabei achtet der Hersteller auf Nachhaltigkeit und faire Arbeits- und Produktionsbedingungen. Eine weitere Besonderheit ist das Gerätepfand. Um Müll zu vermeiden, können defekte Geräte an das Unternehmen zurückgeschickt werden. So wird ein fachgerechtes Recycling oder die Weiterverwendung in zweiter oder dritter Hand sichergestellt.

Im Jahr 2017 kauften Verbraucher:innen allein in Deutschland 24 Mio. Smartphones und 6,6 Mio. Tablets. Dabei werden oftmals funktionsfähige Geräte gegen Neuerscheinungen ausgetauscht. Die dann nicht mehr benutzten Geräte landen oftmals auf dem Müll. Deshalb ist Elektronikschrott einer der am stärksten wachsenden Abfallströme in der EU. Im Jahr 2020 könnten allein in der EU 12 Millionen Tonnen an Elektroschrott durch u.a. Computer, Smartphones, Tablets und Laptops anfallen.

Auf EU-Ebene werden deshalb Maßnahmen gefordert, um einen nachhaltigen Konsum zu fördern. Es soll deshalb einfacher und günstiger werden, Geräte reparieren zu lassen.

Auch durch die Wiederverwendung von Smartphones und Tablets können erhebliche Treibhausgasemissionen und Ressourcen eingespart werden. Das hat eine Studie des Fraunhofer Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) aus dem Jahr 2018 ergeben. So trägt das sogenannte Refurbishment, also die Wiederaufbereitung von technischen Endgeräten, maßgeblich zum Klimaschutz bei.

Aus dem Wiederverkauf gebrauchter Gegenstände über das Internet ist ein ganzer Geschäftszweig entstanden, der als Re-Commerce bezeichnet wird. Immer mehr Onlineshops bieten erneuerte, gebrauchte Geräte zum Kauf an, die aufgrund der Wiederverwendung eine viel besser CO2-Bilanz aufweisen als neue Geräte.

AfB social & green IT

Das europaweit größte gemeinnützige Unternehmen im Bereich Remarketing, Refurbishment und Recycling elektronischer Geräte ist die AfB gemeinnützige GmbH. Unter dem Slogan “social & green IT” verkauft das Unternehmen aus Ettlingen (bis 2020 Düren) gebrauchte Hardware in seinem Onlineshop und sieben Niederlassungen. Durch das IT-Remarketing sollen die CO2-Emissionen reduziert und Ressourcen eingespart werden. Als inklusiver Arbeitgeber beschäftigt das Unternehmen 180 Menschen mit Behinderung (43 Prozent der Belegschaft). Außerdem steht ökologisch verantwortliches Handeln im Fokus. Im Jahr 2020 erhielt AfB nicht nur den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2021, sondern weitere Auszeichnungen für Nachhaltigkeit und seinen Einsatz als Sozialunternehmen.

Weitere Onlineshops, die Truspilot in der Kategorie Re-Commerce listet sind Unternehmen wie refurbed, clevertronic, buyzoxs, reBuy, asgoodasnew und viele mehr. Weil diese als Marktplätze agieren und daher mit vielen verschiedenen Händlern zusammenarbeiten gilt - wie sonst auch - in besonderem Maße: Bilden Sie sich selbst eine Meinung.

Fazit

Nachhaltigkeit zum Maßstab des wirtschaftlichen Handels zu machen, trägt maßgeblich zur Verringerung von CO2-Emissionen bei. Im Idealfall entstehen Treibhausgasemissionen aber gar nicht erst. Denn beim Klimaschutz gilt das Prinzip: erst vermeiden, dann verringern, zuletzt ausgleichen.

So empfiehlt das Öko-Institut Freiburg für den Bücherkauf idealerweise gar keine neuen Bücher zu kaufen, sondern Bücher in Bibliotheken auszuleihen, mit Freund:innen zu teilen oder mittels öffentlicher Bücherschränke weiterzugeben. So könnten Ressourcenverbrauch und Umweltbelastungen aus der Buchherstellung auf viele Personen verteilt werden.

Was das Online-Shopping anbelangt, so verursacht auch dieses hohe Treibhausgasemissionen, die sich negativ auf das Klima auswirken. Allerdings spielen in der gesamten Prozesskette sehr viele Faktoren eine Rolle: Stromverbrauch, Logistik, Lagerung, Verpackung, Transport, Rücktransport, Wegstrecke und viele weitere. Es kann also nicht klar gesagt werden kann, ob es nun besser ist online zu bestellen oder selbst einkaufen zu gehen. Mitunter kann der Onlinekauf eine bessere CO2-Bilanz haben als der Einkauf im Laden - ist aber abhängig davon, wie effizient die Logistik organisiert ist, wie nachhaltig der Händler arbeitet und welches Fortbewegungsmittel für den Einkauf gewählt wird. Jedenfalls kann eine Retoure auch ein positivere CO2-Bilanz Effekt wieder zunichtemachen.

Letztlich ist es also ratsam darauf zu achten, ob und inwieweit Unternehmen nachhaltig arbeiten und sich für Klimaschutz einsetzen. Aber nicht nur Unternehmen haben darauf einen großen Einfluss. Jede:r Konsument:in kann sich für einen nachhaltigen Einkauf entscheiden. Mit der eigenen Kaufentscheidung kann jede:r zudem beeinflussen, wie nachhaltig die Wirtschaft arbeitet. Die Entscheidung, nachhaltiger einzukaufen - auch online - führt über die Nachfrage auf Verbraucherseite wiederum zu nachhaltigerem Wirtschaften auf Unternehmensseite. Denn viele Dinge muss man schließlich irgendwo einkaufen und dafür bieten sich “grüne” Alternativen sehr gut an.


Disclaimer

Gardion unterhält zu keinem der genannten Unternehmen eine Geschäftsbeziehung und hat für die Nennung der genannten Dienste bzw. Unternehmen keinerlei finanzielle oder sonstige Leistungen erhalten. Die Auswahl und Nennung der genannten alternativen Dienste ist das Ergebnis eigener Recherche. Diese erfolgte unter Berücksichtigung der Faktoren Nachhaltigkeit und Standort in Deutschland.


Wir bei Gardion achten ebenfalls auf Nachhaltigkeit. Unser gesamter Netzwerkverkehr fließt ausschließlich durch Server in einem deutschen Rechenzentrum, welches zertifiziert zu 100 Prozent mit Wasserkraft aus Baden betrieben wird. Der übrige Energiebedarf des Netzwerkverkehrs wird auf Ihren Wunsch hin von uns mit atmosfair kompensiert.

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