Google Suche, GMail, Chrome - Google-Alternativen

08 Feb 2021 | Christoph Kölle

Photo by Arthur Osipyan on Unsplash

Google ist der sprichwörtlich gewordene goldene Käfig. Tolle Produkte und das kostenlos, warum wir trotzdem Alternativen in Betracht ziehen sollten und welche es gibt, zeigen wir hier. In dieser Reihe haben wir auch Alternativen zu Microsoft und Alternativen zu Amazon untersucht.

tl;dr

Alternativen zu Google-Diensten:

  1. Google: Suchmaschinen
    • Xayn
    • Startpage
    • Ecosia
    • Searx
    • MetaGer
  2. GMail: Mail und Kalender
    • Posteo
    • mailbox
    • Tutanota
  3. Google Chrome: Browser
    • Firefox
    • Chromium (ungoogled)
  4. Google Drive: Cloud-Speicher
    • NextCloud
    • Syncthing
  5. Google Docs: Kollaborationstools
    • Etherpad
    • CryptPad
  6. Google Maps: Karten und Navigation
    • OpenStreetMap

Alternativen zu Google

Google hat das Monopol unter den Suchmaschinen. Das zeigt sich schon daran, dass es das Verb “googeln” in den Duden geschafft hat. Der Google-Mutterkonzern Alphabet hat inzwischen aber sehr viele weitere Geschäftsbereiche erschlossen. Mit Chrome, GMail, Maps, Google Cloud und natürlich der Suchmaschine bietet der Tech-Gigant technisch hervorragende Services. Im Gegenzug erfährt Google sehr viel über seine Nutzer:innen, z.B. Bewegungsdaten, Surfverhalten und Kontakte. Je mehr Google-Dienste wir nutzen, desto detaillierter weiß Google Bescheid. Aber man muss nicht gänzlich auf Google verzichten - auch wenn dies natürlich möglich ist. Um nicht alles preiszugeben, kann es schon helfen, ein paar sichere und vertrauenswürdige Alternativen zu nutzen. Die aus unserer Sicht besten Alternativen zur Suchmaschine von Google, zum Browser Chrome, zu GMail, zu Google Drive, Google Maps und Google Docs stellen wir hier vor.

1. Suchmaschinen

Xayn

Xayn ist ein recht neues Projekt und will den Suchmaschinenmarkt aufmischen. Die Macher haben Anfang Dezember 2020 ihre Such-App Xayn für Android und iOS vorgestellt, die personalisierte Suchergebnisse liefert und zugleich Datenschutz sicherstellt. Das gelingt, indem die Personalisierung nicht online erfolgt, sondern auf jedem einzelnen Endgerät.

Xayn arbeitet mit Machine-Learning: Nutzer:innen können die KI trainieren, indem sie dieser mittels Wischgesten beibringen, ob Suchergebnisse für sie relevant sind oder nicht. Die Auswertung der Vorlieben und Verhaltensweisen erfolgt dabei direkt auf dem Smartphone. Und dort verbleiben die sensiblen personenbezogenen Daten auch. Denn es werden lediglich die generierten KI-Modelle verschlüsselt an einen Proxy-Server übertragen. Für Xayn ist nicht sichtbar, woher die Suchanfragen kommen. Programmiert wurde die KI in der sicheren und überall funktionierenden Programmiersprache Rust.

Xayn ist das Ergebnis des Forschungsprojekts von Leif-Nissen Lundbæk und Michael Huth an der Universität Oxford und dem Imperial College London. Diese gründeten Xayn im Jahr 2017 gemeinsam mit Felix Hahmann. Die Basis für die Such-App bildet das föderierte Machine-Learning-Framework Xaynet, das die Entwickler als Open-Source veröffentlicht haben. Eine Browser-Version soll sich bereits in Entwicklung befinden und bald erscheinen.

Da das Projekt Xayn noch recht jung ist, wird spannend sein, zu verfolgen, wie es sich entwickelt. Um Geld damit zu verdienen, planen die Gründer die Einführung einer Pro-Version für Unternehmen.

Startpage

Startpage ist hinsichtlich der Qualität der Suchergebnisse eine der stärksten Alternativen zur Suchmaschine von Google. Allerdings ist die Suchmaschine seit Ende 2019 nicht mehr uneingeschränkt empfehlenswert. Dazu unten mehr.

Die Suchmaschine generiert ähnlich treffsichere Suchergebnisse wie Google. Eingegebene Suchanfragen werden einfach an Google weitergeleitet. Dies geschieht aber komplett anonymisiert. Die Ergebnisse werden dann von einem Startpage-Algorithmus neu gerankt.

Um sich zu finanzieren, arbeitet Startpage - wie Google - mit Werbung. Diese ist aber nicht personalisiert und erfolgt zufällig. Es werden also anders als bei Google keine Werbeanzeigen angezeigt, die auf den über Nutzer:innen gesammelten Daten beruhen.

Startpage bietet die Möglichkeit, die Seiten aus den Suchergebnissen anonym zu besuchen. Mit einem Klick auf das Maskensymbol links neben einem Suchergebnis lässt sich der „Anonymous View“ starten. Dann rahmt ein blauer Kasten im Browser die anonym besuchte Seite ein. In diesem Modus sind Nutzer:innen vor Website-Cookies, Website-Fingerprinting und Social-Media-Trackern geschützt. Dies kann aber dazu führen, dass manche Webseiten nicht richtig dargestellt werden oder nicht richtig funktionieren.

Laut eigener Aussage nimmt Startpage Datenschutz ernst und erfasst daher keine IP-Adressen, nutzt keine Cookies zur Identifizierung, speichert keine Daten und gibt solche auch nicht an Dritte weiter.

Betrieben wird Startpage von einer niederländischen Firma und hat ihren Sitz in Den Haag und somit in der EU. Es muss allerdings erwähnt werden, dass Startpage seit 2019 einen neuen Mehrheitsanteilseigner hat: die Privacy One Group Ltd. als operativer Teil der System1 LLC, die ihren Hauptsitz in Venice, Kalifornien (USA) hat. Das geht aus einer Pressemitteilung aus dem September 2019 hervor. Es scheint sich um ein Ad-Tech-Unternehmen zu handeln.

Falls Sie Startpage ausprobieren möchten, finden Sie hier eine Anleitung, um Startpage als Standard-Suchmaschine in Firefox festzulegen. Wir möchten Ihnen aber noch weitere Alternativen vorstellen.

Ecosia

Eine weitere alternativ nutzbare Suchmaschine ist Ecosia. Diese wirbt nicht nur mit Datensicherheit, sondern auch damit, Bäume zu pflanzen. Ecosia gibt an 80% der überschüssigen Einnahmen an Organisationen zu spenden, die sich dem Naturschutz verschrieben haben.

Ecosia hat seinen Sitz in Berlin und wird von der Ecosia GmbH betrieben. Für Suchergebnisse und Werbeeinblendungen greift Ecosia auf die Microsoft-Suchmaschine Bing zurück oder genauer gesagt auf die von Microsoft lizenzierte Search API Bing. Deshalb werden allerdings auch Daten wie etwa die IP-Adresse (verschleiert), der Suchbegriff, der Browser sowie die Länder- und Spracheinstellungen an Microsoft übermittelt.

Da die Firma ihren Sitz in Deutschland hat, unterliegt sie dem strengen EU-Datenschutzrecht. Alle erhobenen Daten werden nach 7 Tagen entweder gelöscht oder komplett anonymisiert. Ecosia gibt an, keine Daten an Werbetreibende zu verkaufen und keine Tracker von Drittanbietern wie Google Analytics zu verwenden. Zudem kann jegliches Tracking unterbunden werden.

Ecosia finanziert sich über Abgaben, die Bing pro Suchanfrage bezahlt und sogenannte Affiliate-Links. Dabei bekommt Ecosia eine Provision von Online-Händlern, wenn Personen über die Affiliate-Links etwas in den entsprechenden Shops kaufen.

Ecosia ist aufgrund des Engagements für die Umwelt unterstützenswert. Das Unternehmen sammelt Daten in vertretbarem Rahmen. Wer allerdings möglichst wenige Spuren hinterlassen möchte, ist mit einer anderen Suchmaschine besser bedient.

searx

Searx ist eine sogenannte Meta-Suchmaschine. Es handelt sich um eine kostenlose Open-Source-Software lizenziert unter der GNU Affero General Public License (AGPLv3). Diese kann auf einem eigenen Server installiert und betrieben werden. Zudem gibt es viele öffentliche Instanzen unter https://searx.space/.

Meta-Suchmaschinen bedienen sich mehrerer anderer Suchmaschinen. An diese senden sie Anfragen weiter, sammeln deren Ergebnisse und bereiten diese auf. Daher ist die Ergebnisqualität abhängig von den verwendeten Quellsuchmaschinen. Diese lassen sich unter Einstellungen > Suchmaschinen einzeln auswählen. Auswählbar sind u.a. Bing, Wikipedia, Google, Startpage, DuckDuckGo, Qwant, Yahoo, Yandex, Duden, Reddit und viele weitere. Zudem können viele weitere Sucheinstellungen konfiguriert werden: die Sprache, eine automatische Weiterleitung von http zu https oder Endlosscrollen.

Searx hat das Ziel die Privatsphäre der Nutzer:innen zu schützen. Um dies zu erreichen, werden weder IP-Adressen noch einzelne Suchanfragen oder gar die Suchhistorie mit den Suchmaschinen geteilt, von denen die Suchergebnisse stammen.

Searx können Sie hier ausprobieren. Gardion betreibt eine eigene Searx-Suchmaschineninstanz. Weitere bekannte Meta-Suchmaschinen sind MetaGer und DuckDuckGo. Aus unserer Sicht stellt Searx die sicherste, wenn auch nicht die treffsicherste Suchmaschinenalternative dar. Vorsicht ist allerdings bei der Verwendung öffentlicher Instanzen geboten. Daher sind private Instanzen vorzuziehen.

MetaGer

Sehr empfehlenswert ist die Open-Source Meta-Suchmaschine MetaGer. Die Suchergebnisse werden aus den Suchmaschinen von Bing, Yahoo, Yandex und weiteren sowie einem eigenen Webcrawler gespeist. Die Suchergebnisse bilden nicht bevorzugt das ab, was häufig angeklickt wird, sondern sollen eine größtmögliche Vielfalt anbieten. Daher werden bis zu 50 verschiedene Suchmaschinen abgefragt.

Datenschutz und Privatsphäre werden hier sehr ernst genommen. Es erfolgt weder Tracking noch eine Speicherung von Daten. Suchergebnisse können anonym aufgerufen werden. Zudem ist immer ersichtlich, woher das Suchergebnis stammt. Alle Server befinden sich in Deutschland und werden ausschließlich mit Ökostrom aus Wasserkraft betrieben.

Betrieben wird die Suchmaschine vom gemeinnützigen Verein SUMA-EV, der sich für freien Wissenszugang einsetzt. Die Finanzierung wird transparent gemacht und erfolgt über neben Spenden und Mitgliedsbeiträgen über nicht-personalisierte Werbung auf der Ergebnisseite. Entstanden ist das Projekt MetaGer an der Universität Hannover.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es nicht die beste Suchmaschine gibt. Insbesondere MetaGer und Searx (mit privater oder vertrauenswürdiger öffentlicher Instanz) sind aber einen Test wert. Entscheidend bei Wahl der Suchmaschine ist, zu überprüfen, ob und wenn ja welche Daten gesammelt und sogar gespeichert werden. Ausschlaggebend sollte auch der Serverstandort bzw. vielmehr die hierdurch anzuwendende Gesetzgebung sein. In den USA unterliegen Unternehmen dem PATRIOT Act, der eine rechtlichen Anordnung in Form des National Security Letter ermöglicht. Hiernach können Unternehmen verpflichtet werden, Daten herauszugeben.

2. Mail und Kalender

Posteo

Posteo ist ein deutsches Unternehmen aus Berlin. Es wurde 2009 gegründet und erhielt in Folge der NSA-Affäre 2013 viel Beachtung in den Medien. Der Fokus dieses Anbieters liegt auf Sicherheit und Verschlüsselung und setzt auf Open-Source-Software und quelloffene Protokolle.

Nutzer:innen bleiben bei der Anmeldung grundsätzlich anonym. Ein Account bei Posteo kostet 1 Euro pro Monat. Die Bezahlung erfolgt über ein Prepaid-Modell mit Guthaben. Das Geld kann sogar per Post nach Berlin geschickt werden. Aber auch bei Bezahlung per Paypal oder Kreditkarte wird Anonymität gewährleistet. Eine Verknüpfung zwischen Daten aus dem Bezahlvorgang und Account erfolgt nämlich nicht. Dazu schreibt Posteo in seinen FAQ:

Das Guthaben Ihres Posteo-Postfachs wird stets anonym aufgeladen - egal ob Sie per Überweisung, per Paypal, per Kreditkarte oder in bar zahlen. Wir verknüpfen Daten, die wir bei Zahlungen erhalten, grundsätzlich nicht mit den E-Mail-Postfächern. Hierfür haben wir 2009 ein eigenes System entwickelt, mit dem wir alle Zahlungsvorgänge anonymisieren. Das Bezahlsystem ist das Herzstück unseres Datensparsamkeitskonzeptes: Vor allem, weil wir Bezahldaten und E-Mail-Postfächer unserer Kunden streng voneinander trennen, führen wir keine Bestandsdaten zu den Postfächern - und können so eine grundsätzlich anonyme Nutzung unseres E-Maildienstes gewährleisten.

Wie die Anonymisierung der Bezahlvorgänge konkret erfolgt, erklärt Posteo auf einer eigenen Infoseite.

Posteo hat sich dem Prinzip der Datenvermeidung und -sparsamkeit verschrieben. Das bedeutet, dass nur persönliche Daten erhoben werden, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Wer sich also anonym anmeldet und mit Bargeld bezahlt, bleibt für Posteo unbekannt. IP-Adressen werden ebenfalls nicht gespeichert und aus Mailheadern (auch von Clients) gelöscht. Um die Privatsphäre zu schützen, erfolgt keinerlei Tracking und es sind keine Social-Media-Verknüpfungen eingebunden. Zusätzlich zur angemeldeten Mailadresse können kostenlos drei weitere Alias-Adressen erstellt werden, um die Verbreitung der Hauptadresse gering zu halten.

Alle Datenflüsse von Nutzer:innen zu Posteo werden mit TLS verschlüsselt. Darüber hinaus sind alle Nachrichten, egal zu welchem Provider, mit Perfect Forward Secrecy geschützt. Bei dieser Art der Verschlüsselung wird für jede Nachricht ein neuer Schlüssel generiert. Wenn also eine Nachricht entschlüsselt werden sollte, sind alle weiteren noch sicher.

Zusätzlich können Nutzer:innen eine automatische Verschlüsselung von empfangenen E-Mails einstellen. Dazu wird S/MIME oder PGP genutzt. Wenn Sie diese Krypto-Systeme nutzen, reicht es Posteo den öffentlichen Schlüssel mitzuteilen. Dann werden alle eingegangenen Nachrichten automatisch verschlüsselt. Auch für ausgehende Mails kann eine Verschlüsselungs-Garantie eingestellt werden. Mit der TLS-Versand-Garantie werden Nachrichten nur verschickt, wenn eine verschlüsselte Verbindung besteht.

Nutzer:innen können ihren Posteingang außerdem mithilfe einer Zwei-Faktor-Authentifizierung sichern. Dazu werden Einmalkennwörter genutzt. Die Basis hierfür bildet der offene Standard Time-based One-time Password Algorithmus (TOTP).

Posteo hat einen voreingestellten Spam-Filter, den Nutzer:innen nicht verändern können. Über zusätzliche White- bzw. Blacklists kann Spam - falls solcher überhaupt jemals auftaucht - kontrolliert werden. Was jedoch durch den Posteo-Filter aussortiert wird, erfahren Nutzer:innen nicht.

Neben Sicherheit achtet Posteo auf Nachhaltigkeit und wird deshalb komplett mit Ökostrom betrieben.

Bei Posteo wird Datenschutz und Transparenz großgeschrieben. Der Anbieter war der erste deutsche, der einen Transparenzbericht über Behördenanfragen zu Daten von Nutzer:innen vorlegte. Sämtliche Software ist Open-Source und die Nachrichten sind überdurchschnittlich gut gesichert. Der eine Euro pro Monat ist gut investiert.

mailbox

Bei mailbox.org handelt es sich ebenfalls um einen deutschen E-Mail-Anbieter mit Sitz in Berlin. Das Unternehmen dahinter heißt Heinlein Support GmbH. Auch mailbox.org ist kostenpflichtig, fokussiert sich auf die Themen Datenschutz sowie Datensicherheit und arbeitet werbefrei. Zusätzlich bietet mailbox einen Cloud-Speicher und eigene E-Mail-Domains. Seit Ende November bietet mailbox sichere Videokonferenzen für Unternehmen und Schulen mit bis zu 50 teilnehmenden Personen.

Bei mailbox.org gibt es Angebote für Geschäfts- und Privatkunden. Das günstigste Privatkonto kostet einen Euro monatlich. Wenn mehr als das Minimum gewünscht ist, können Nutzer:innen nach dem Prepaid-Verfahren monatlich unterschiedliche Extra-Leistungen buchen. Bis zu zehn Privatpersonen können über einen Team-Account gemeinsame Ressourcen nutzen. Darunter fallen etwa Kalender und Kontakte. Ein solcher Team-Account kostet 2,50 Euro monatlich pro Nutzer. Die Anmeldung kann ebenfalls anonym erfolgen.

Die Verschlüsselung der Mails erfolgt mithilfe von DANE und DNSSEC. Bei DANE handelt es sich um ein Netzwerkprotokoll, das Datenverkehr sichert. Es ist eine Erweiterung des gebräuchlichen SSL/TLS Protokolls. Domain Name System Security Extensions (DNSSEC) sind Internetstandards, die Sicherheit gewährleisten. Neben der Authentizität wird die Integrität von Daten gewährleistet. Nutzer:innen können sich damit sicher sein, dass ihr Datenverkehr nicht manipuliert wird.

Wie Posteo bietet mailbox.org an, die Mails im Postfach mit dem öffentlichen PGP-Schlüssel zu verschlüsseln. Mit dem mailbox Guard hat das Unternehmen die Verschlüsselung per PGP in den Webmailer integriert und betreibt einen eigenen PGP-Key-Server (HKPS).

Für Nutzer:innen, die so wenig Spuren wie möglich hinterlassen wollen, bietet mailbox.org einen eigenen Tor Exit Node. Wer diesen nutzt, kann seine Verbindungsdaten anonymisieren. Die IP-Adressen sind dann für mailbox.org nicht mehr identifizierbar. Auch unabhängig von diesen zusätzlichen Schutzfunktionen kümmert sich der Anbieter um die bestmögliche Anonymität seiner Nutzer:innen. So werden bei ausgehenden Nachrichten die Informationen zum genutzten Mailclient und dem Betriebssystem des Nutzers verschleiert.

Mailbox wird mit Ökostrom versorgt und agiert nachhaltig.

Wenn Sie ein kleines Unternehmen haben oder Ihre Familie mit einem Mail-Konto ausstatten wollen, empfehlen wir Ihnen mailbox.

Tutanota

Tutanota ist ein deutscher E-Mail-Provider. Wie mailbox und Posteo wirbt das Unternehmen aus Hannover mit Werbefreiheit, Umweltfreundlichkeit (100 Prozent erneuerbare Energien), Datenschutz, Datensicherheit und vielen weiteren Features.

Tutanota bietet einen quelloffenen und Ende-zu-Ende-verschlüsselten E-Mail-Dienst an. Im Gegensatz zu Posteo und Mailbox, die eine optionale Verschlüsselung anbieten, verschlüsselt Tutanota sämtlichen Mailverkehr sowie Kalender und Kontakte standardmäßig (E2EE).

Im Vergleich zur Verschlüsselung mit PGP werden bei Tutanota nicht nur der Nachrichtentext und Anhang einer Mail verschlüsselt, sondern außerdem die Namen von Sender und Empfänger sowie die Betreffzeile. Dabei kommen die gleichen Algorithmen wie bei PGP zum Einsatz. Der gesamte Code ist auf GitHub veröffentlicht. Eine Zwei-Faktor-Authentifizierung ist mittels TOTP sowie U2F möglich. Für alle relevanten Betriebssysteme bietet Tutanota einen eigenen Client an.

Tutanota finanziert sich ausschließlich über zahlende Kunden und Spenden. Das Basisprudukt jedoch wird kostenlos angeboten. Das Premium-Angebot beginnt bei 12 Euro jährlich.

Ende November 2020 wurde bekannt, dass ein Mailpostfach von Tutanota zum Versand einer Erpessungsmail an einen Autozulieferer genutzt wurde. In der Folge hat das Landgericht Köln Tutanota dazu verpflichtet, eine Überwachungsfunktion zu implementieren. Dagegen hat das Unternehmen Beschwerde eingelegt, muss die Funktion jedoch programmieren und implementieren. Diese gilt allerdings nur für betroffene Mailkonten. Vom Erfolg der Beschwerde ist abhängig, ob die Funktion wieder entfernt wird. In einem Transparenzbericht listet Tutanota alle Behördenanfragen.

Da E-Mail-Kommunikation nach wie vor allgegenwärtig ist, lohnt es sich hierfür einen vertrauenswürdigen Anbieter auszuwählen.

3. Browser

Googles Chrome ist der Marktführer unter den Browsern. Weltweit verwenden ihn ca. 64 Prozent, in Deutschland ca. 50 Prozent. Kein Wunder, denn er ist ein sehr schneller, leistungsfähiger und technisch ausgefeilter Browser. Allerdings sammelt Chrome zu viele Daten. Inzwischen gibt es sehr viele Alternativen: Opera, Microsoft Edge, Mozilla Firefox, Chromium, Apple Safari, Internet Explorer, Brave, Tor Browser, Epic. Die besten stellen wir hier vor.

Mozilla Firefox

Der 2002 veröffentlichte Webbrowser Mozilla Firefox gehört zu den drei am meisten genutzten - auch wenn ihn weltweit nur 3,8 Prozent verwenden. Mittlerweile gibt es auch eine mobile Version für Smartphones. Mozilla Firefox ist eine freie Software. Sie wird veröffentlicht unter GNU General Public Licences, der am weitesten verbreiteten Lizenz für freie Software.

Firefox bietet einen privaten Modus. In diesem werden weder die besuchten Seiten gespeichert noch andere Daten, die beim Surfen anfallen. Außerdem werden in diesem Modus Inhalte blockiert, die Nutzer:innen über mehrere Seiten hinweg verfolgen können. Diese Daten können außerdem durch das Löschen der Chronik auch im Standard-Modus gelöscht werden. Außerdem schützt Firefox seine Benutzer:innen vor Phishing und Malware. Dazu werden die besuchten Webseiten und die Signaturen von Programmen, die Nutzer:innen heruntergeladen haben, mit verdächtigen Seiten und Dateien verglichen. Genutzt wird dazu eine lokal gespeicherte Liste in Firefox, die standardmäßig von Google gespeist und halbstündig aktualisiert wird.

Darüber hinaus können Sie Firefox nach Ihren Wünschen gestalten. Der Browser bietet eine große Zahl an zusätzlichen Erweiterungen (sog. Add-ons), mit denen die Sicherheit weiter erhöht und die Nutzung bequemer gemacht werden kann.

Ein Hinweis zu Add-ons ist angebracht, wenn Sie Ihren Browser konfigurieren möchten. Mehr ist nicht immer besser. Beim Einsatz vieler Add-ons besteht die Gefahr, dass Sie aus der Menge der Browser-Nutzer:innen herauszustechen. Dies eröffnet das Risiko des Browser Fingerprintings.

Hier finden Sie eine Anleitung, um die Privatsphäre-Einstellungen anzupassen.

Mozilla Firefox ist der beste Allround-Browser. Allerdings kann auch Kritik an Mozilla geübt werden. Die Mozilla Foundation hat finanzielle Zuwendungen von Google dafür erhalten, dass die Google-Suche als Standardsuchmaschine voreingestellt ist. Seit 2017 besteht nach Kündigung eines Vertrags mit Yahoo wieder ein neuer Vertrag zwischen Google und Mozilla.

Chromium

Chromium ist die Open-Source Variante von Google Chrome. Ein großer Teil seines Quellcodes wird auch bei Chrome verwendet. Chrome basiert also gewissermaßen auf Chromium. Allerdings wird Chromium mit der BSD-Lizenz quelloffen zur Verfügung gestellt. Google ist nicht die einzige Firma, die an der Entwicklung und Bereitstellung von Chromium beteiligt ist. Darüber hinaus leistet zum Beispiel auch Mozilla einen Beitrag.

Chromium steckt in Teilen in vielen weiteren Browsern wie zum Beispiel dem neuen Microsoft Edge. Chromium ist als fertiger Browser für Endnutzer:innen aber erst seit kurzem verfügbar. Zuvor war der Browser nur für Entwickler:innen gedacht und es gab keinen Installer. Nutzer:innen mussten selbst auf den Quellcode zurückgreifen, um Chromium zu nutzen. Das hat sich allerdings geändert und Chromium ist nun zum Download verfügbar.

Wie bei allen anderen Browsern ist es auch hier wichtig darauf zu achten, immer die neueste Version zu nutzen. Google ändert den Quellcode von Chromium beinahe täglich.

Im Gegensatz zu Chrome hat Chromium weniger Features. So ist zum Beispiel kein Flash Player integriert. Dies sorgt aber für zusätzliche Sicherheit, da auch weniger Tracking Reports zum Nutzungsverhalten erstellt werden.

Wer Chromium unabhängig von Google nutzen möchte, kann auf spezielle Version von Chromium zurückgreifen. Auf GitHub gibt es eine solche Google-freie Version mit dem Namen ungoogled-chromium. Diese eignet sich aber nur für technikaffine Personen, da die Installation etwas Know-how erfordert.

Alle, die lediglich einen guten und sicheren Open-Source Browser möchten, der deutlich weniger Daten an Google sendet als Chrome, sind mit Chromium schon gut bedient. Wer mit Google überhaupt nichts zu tun haben möchte, sollte sich für die ungoogled-Version von Chromium entscheiden. Besonders empfehlenswert ist ein konfigurierter Firefox-Browser mit den richtigen Privatsphäreeinstellungen.

4. Cloud-Speicher

Ein Cloud-Speicher oder präziser ausgedrückt das Filehosting erlaubt die Speicherung von Dateien auf einem zentralen Datenspeicher, um sie von überall aus abrufen zu können. Neben Google Drive werden regelmäßig die Cloud-Speicher der großen Anbieter genannt: Microsofts OneDrive, Amazons Cloud Drive, Apples iCloud und natürlich Dropbox. Deshalb stellen hier die vor, die nur selten erwähnt werden. Dabei setzen wir den Fokus auf Datenschutz und Datensicherheit.

NextCloud

Eine der möglichen Alternativen kommt aus dem Ländle. Das Unternehmen Nextcloud aus Stuttgart bietet einen Cloud-Dienst an, der auf einem eigenen Server selbst gehostet werden kann. Damit verfolgt NextCloud das Ziel, Nutzer:innen die vollständige Datenhoheit zu ermöglichen. Wenn man die Dateien nicht selbst hosten will oder kann, besteht auch die Möglichkeit, seinen Cloudspeicher hosten zu lassen. Dann kann man aus einem Pool von Servern einen bestimmten auswählen. Dazu unterhält das Unternehmen ein dezentrales, föderiertes Netzwerk aus Servern mit geschätzten 25 Mio. Nutzer:innen.

Der Fokus des Unternehmens liegt auf Nachhaltigkeit sowie Privatheit und Sicherheit. Als Gegenmodell zu den amerikanischen Cloud-Anbietern arbeitet Nextcloud nicht mit einer zentralen Plattform, sondern dezentralisiert und verwendet Open-Source-Software.

Die Behörden aus den EU-Staaten Frankreich, Schweden und den Niederlanden nutzen Nextcloud für ihr Datenhosting und Filesharing.

Im Januar hat Nextcloud das Produkt Nextcloud Hub vorgestellt, in das das Office-Paket von OnlyOffice integriert wurde. Damit stellt NextCloud eine datenschutzkonforme Konkurrenz zu Microsoft Office 365 und Google Docs dar. Zudem gab NextCloud eine Kooperation mit 1&1 IONOS bekannt.

Syncthing

Syncthing ist eigentlich kein Cloud-Speicher, sondern eine Open-Source-Software zur Dateisynchronisation. Der Quellcode wurde auf GitHub veröffentlicht. Datenschutz und Datensicherheit stehen hier im Fokus. Die Dateien werden ohne zentralen Server direkt zwischen einzelnen Geräten, also Peer-to-Peer, in Echtzeit synchronisiert. Die Kommunikation von Gerät zu Gerät erfolgt dabei mittels TLS und bedient Perfect Forward Secrecy. Die Datenübertragung ist Ende-zu-Ende verschlüsselt. Syncthing funktioniert unabhängig von der IP-Adresse. Die Identifikation der Geräte erfolgt über eine diesen zugewiesene eindeutige ID.

Syncthing wird betrieben von der Syncthing Stiftung, einer in Schweden registrierten nicht gewinnorientierten Stiftung mit Sitz in Malmö.

5. Kollaborationstools

Inzwischen werden immer mehr Softwareapplikationen in Cloud-Dienste integriert mit dem Ziel, das zeitgleiche, ortsunabhängige gemeinsame Arbeiten zu ermöglichen. Online verfügbare Applikationen werden als Instrumente zur Kollaboration immer wichtiger. Inzwischen ist die Liste von Kollaborationssoftware recht lang.

Mit Google Workspace (ehemals G Suite) stellt Google eine webbasierte Office-Suite zur Verfügung, die neben einem Editor (Docs) auch Tabellenkalkulation (Sheets), Formulare (Forms) und Präsentationssoftware (Slides) umfasst. Im Vergleich zur G Suite sind die einzelnen Tools noch stärker miteinander verknüpft, darunter auch Gmail, Kalender, Meet, Chat und Drive.

Google Docs und Co. werden gerne verwendet, um mit mehreren Personen Dokumente zu teilen oder in Echtzeit zu bearbeiten. Aber auch für diese Google-Dienste gibt es sichere und kostenlose Alternativen, bei denen Sie nicht mit Ihren Daten bezahlen.

Etherpad

Etherpad ist ein Open-Source Online-Editor zur Bearbeitung von Textdokumenten in Echtzeit. Die Bearbeitung erfolgt direkt im Browser. Das Pad ist einfach gehalten, intuitiv zu bedienen und verfügt über alle notwendigen Funktionen zur Textbearbeitung. Über einen Link kann man das Pad mit Schreib- oder lediglich Lesezugriff teilen. Es ist außerdem möglich den gesamten Versionsverlauf seit Erstellung des Pads nachzuvollziehen und an einen bestimmten Fortschrittszeitpunkt zurückzuspringen. Zusätzlich gibt es eine Chat-Funktion. Damit können Sie Google Docs vollständig und gleichwertig ersetzen.

CryptPad

Das CryptPad ermöglicht die gleichen Funktionen wie das Etherpad und ist vollkommen anonym und ohne Registrierung nutzbar. Mit kostenloser Registrierung wird 1 GB Cloudspeicherplatz gewährt. Aber auch bei der Registrierung eines Accounts ist keine Angabe personenbezogener Daten erforderlich.

Zusätzlich und über das Etherpad hinausgehend ersetzt CryptPad nicht nur Docs, sondern auch Sheets und Slides. Außerdem gibt es Apps für Umfragen (Polls), ein Kanban-Board, ein Whiteboard und ein Cloud Drive (CryptDrive).

CryptPad ist ein Projekt des französischen Unternehmens XWiki SAS. Dieses ist laut eigener Aussage einer der weltweit führenden Anbieter von Open-Source-Lösungen zur Kollaboration, die in tausenden Unternehmen zum Einsatz kommen.

6. Karten und Navigation

Mit Google Maps bietet Google den Dienst für Navigation. Dabei lokalisiert Google einzelne Nutzer:innen, um z.B. Aussagen über die Verkehrslage und mögliche Staus treffen zu können.

Wenn Sie eine freie Alternative zu Google nutzen möchten, dann können Sie auf OpenStreetMap zurückgreifen.

Seit 2006 betreibt die Non-Profit-Organisation OpenStreetMap-Foundation das Projekt mit dem Ziel, einen geographischen Datenbestand sowie dessen freie Bereitstellung zum allgemeinen Gebrauch zu erzeugen, verteilen und vergrößern. Die Haupt-Server des Projekts werden am University College in London betrieben.

Die Daten für das Projekt werden von den inzwischen 6,5 Mio. Benutzer:innen zur Verfügung gestellt und in einer Datenbank frei zugänglich als Open Data gespeichert. Diese Daten sind unter der Open Database License (ODC-ODbL) lizenziert und damit frei verfügbar. Bei Nutzung der Daten ist die Nennung von OpenStreetMap als Datenquelle erforderlich. Bei Veränderung der Daten dürfen diese nur unter derselben Lizenz verbreitet werden.

Fazit

Das Geschäftsmodell von Google basiert auf Werbung. Je mehr Google mittels seiner Dienste über Nutzer:innen erfährt, desto treffsicherer kann Werbung in Google-Diensten wie der Google-Suche, YouTube oder Google Maps angezeigt werden. So ist das genaue Wissen über den geographischen Standort bares Geld wert. Und deshalb trackt Google Bewegungsdaten sehr genau. Nicht einmal Google-Mitarbeitern selbst ist es gelungen, das Tracking durch Google vollständig zu deaktivieren.

Aus diesen Gründen haben wir Ihnen in diesem Blogbeitrag ein paar Alternativen vorgestellt, mit denen Sie Google-Dienste ersetzen können. Denn Google muss nicht alles wissen.

Bei der Auswahl der alternativen Dienste lag der Fokus auf Datensicherheit, Datenschutz und Privatheit sowie Nachhaltigkeit.


Disclaimer

Gardion hat für die Nennung der genannten Dienste bzw. Unternehmen keinerlei finanzielle oder sonstige Leistungen erhalten. Die Auswahl und Nennung der genannten alternativen Dienste ist das Ergebnis eigener Recherche. Diese erfolgte unter Berücksichtigung der Faktoren Datenschutz, Datensicherheit, Open Source und Standort in Deutschland oder zumindest innerhalb der EU, sodass der Umgang mit den Daten der Nutzer:innen den gesetzlichen Vorgaben der DSGVO unterliegt.


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