Alternativen zu Microsoft 365, MS Teams und Skype

18 Jan 2021 | Christoph Kölle

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Welche Alternativen gibt es zu Microsoft 365? Der Quasi-Standard für Office-Dokumente ist aus Datenschutzsicht umstritten und günstig ist er auch nicht. In dieser Reihe haben wir auch Alternativen zu Google und Alternativen zu Amazon recherchiert.

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Alternativen zu Microsoft-Diensten:

  1. Microsoft Office 365: Office-Pakete
    • ONLYOFFICE
    • LibreOffice
    • CryptPad
  2. Teams und Skype: Videokonferenzsoftware
    • Jitsi Meet
    • BigBlueButton
  3. Microsoft Edge: Browser
    • Firefox
    • Chromium
  4. Microsoft OneDrive: Cloud-Dienste
    • NextCloud
    • Syncthing

Alternativen zu Microsoft

Microsoft ist eines der größten Technologieunternehmen der Welt. Seinen Hauptsitz hat es in Redmond, Washington. Neben Software bietet Microsoft auch Hardwareprodukte an. Am bekanntesten ist Microsoft für sein Betriebssystem Windows und sein Büro-Softwarepaket Microsoft Office. Die Office-Suite hat sich aufgrund seiner weiten Verbreitung zum De-facto-Standard für Bürosoftware entwickelt.

Im Jahr 2013 erschien Microsoft Office 365 als cloudbasierte Onlineversion der bekannten Office-Produkte Word, Excel, PowerPoint und OneNote. Im Laufe der Jahre wurden immer mehr Dienste integriert. Inzwischen hat Microsoft alle Dienste unter dem Namen Microsoft 365 zusammengeführt und bezeichnet dies als “Produktivitäts-Cloud für Arbeit und Privat”. Diese cloudbasierten Dienste erfordern ein Microsoft-Konto und eine Internetverbindung. Der Leistungsumfang variiert je nach Nutzergruppe. Unterschieden wird zwischen Privatanwendern, kleinen und mittelständischen Unternehmen, Großunternehmen und Bildung (Schule und Studium). Microsoft 365 enthält die Apps Word, Excel, PowerPoint, OneNote, Outlook, OneDrive und Skype für Privatpersonen. Für Unternehmen stehen zusätzlich SharePoint und Teams zur Verfügung.

In Deutschland wirbt Microsoft für seine Cloud-Dienste für Unternehmen mit einer “DSGVO-konformen und nachweislich sicheren Datenspeicherung in deutschen Rechenzentren”.

Zu problematisieren ist jedoch, dass US-Behörden auf Grundlage des CLOUD Act auf gespeicherte Daten amerikanischer Unternehmen zugreifen dürfen - auch wenn die Speicherung der Daten nicht in den USA erfolgte. Insofern sind auch die in deutschen Rechenzentren gespeicherten Daten vor einem entsprechenden Zugriff nicht geschützt. Allerdings ist gemäß Art. 48 DSGVO eine Übermittlung oder Offenlegung personenbezogener Daten nur dann möglich, wenn sie auf ein Rechtshilfeabkommen zwischen dem Drittland (USA) und Deutschland gestützt wird.

Microsoft selbst erfährt mittels der Cloud-Apps sehr viel über seine Nutzer:innen, da diese umfangreiche Daten über das Nutzungsverhalten sammeln. Dies belegt eine erst im November 2020 von Microsoft vorgestellte neue Funktionalität Productivity Score für MS 365. Microsoft selbst schreibt auf der eigenen Website: Mit dem Productivity Score “können Unternehmen sichtbar machen, wie intern gearbeitet wird und Erkenntnisse nutzen, um Verbesserungen vorzunehmen”. In einem Video auf YouTube zeigt Microsoft genauer, was dieses Feature alles kann. So ermöglicht es das genaue Tracking der Tätigkeiten von Arbeitnehmer:innen, also beispielsweise “wie lange jeder Nutzer in Videomeetings seine Kamera aktiviert und seinen Bildschirm geteilt hat”.

Weil es nach Ankündigung der neuen Funktion viel Kritik hagelte, äußerte sich Microsoft Anfang Dezember 2020 in einem Blogpost und kündigte an, Änderungen am Produkt vorzunehmen, “um die Privatsphäre […der] Kunden zu stärken”.

Nichtsdestotrotz gilt: Je mehr Microsoft-Dienste wir nutzen, desto detaillierter weiß Microsoft über uns Bescheid. Um nicht alles preiszugeben, können sichere und vertrauenswürdige Alternativen genutzt werden. Die aus unserer Sicht besten Alternativen zur Office-Suite, der Videokonferenz-Software Teams und dem E-Mail-Programm Outlook stellen wir hier vor.

1. Office

Bei den Microsoft Office Apps handelt es sich um proprietäre Software. Das bedeutet, dass der den Programmen zugrunde liegende Quellcode nicht bekannt ist und von Unternehmen unter Verschluss gehalten wird. Im Gegensatz dazu arbeitet Open-Source-Software mit einem öffentlich zugänglichen Quellcode, der von externen Dritten eingesehen und überprüft werden kann. Auf diese Weise ist es zum Beispiel auch möglich, Schwachstellen finden und schließen zu können.

Auch für Büro-Software gibt es solche quelloffenen Alternativen zu Microsoft Office.

ONLYOFFICE

ONLYOFFICE kann zur Textverarbeitung, Präsentation und Tabellenkalkulation verwendet werden. Die Version für Unternehmen umfasst auch einen E-Mail-Client sowie einen Instant Messaging Dienst namens Talk. Die Software ist zu 100 Prozent mit Microsoft kompatibel. Entwickelt wurde sie von Ascensio System SIA aus Riga.

Im Oktober 2020 hat ONLYOFFICE sein Produkt-Portfolio neu organisiert und in drei Kategorien unterteilt: Docs, Groups, Workspace. Als Desktopversion für den Privatgebrauch ist die Software kostenlos verfügbar.

Für Unternehmen oder Teams ist es möglich ONLYOFFICE auf einem eigenen Server selbst zu hosten oder als Software as a Service (SaaS) zu nutzen. Die Anwendungszwecke von Unternehmen und Teams werden durch die Produkte ONLYOFFICE Groups und Workspace abgedeckt, da sie Kollaboration in Echtzeit ermöglichen.

Mit diesem Produkt können Sie MS 365 im Hinblick auf Bürosoftware vollständig ersetzen. In Kombination mit Nextcloud (dazu unten mehr) erhalten Sie vergleichbare Funktionen wie mit MS Office in Kombination mit OneDrive.

LibreOffice

LibreOffice ist eine kostenlose und freie Open Source Büro-Software.

Sie im Jahr 2010 aus OpenOffice.org durch Abspaltung (Fork) hervorgegangen. OpenOffice sollte als freie Software zur Verfügung stehen und weiterentwickelt werden. Allerdings wurde der Betreiber Sun Microsystems im Jahr 2010 durch Oracle übernommen. Mit Gründung von The Document Foundation sollte die unabhängige Weiterentwicklung von LibreOffice als freie Office-Software unabhängig von Firmeninteressen sichergestellt werden. Die Abspaltung war deshalb möglich, weil das Office-Paket als freie Software entwickelt wurde. Seit 2012 ist die Document Foundation eine rechtsfähige Stiftung nach deutschem Recht. Es handelt sich um eine gemeinnützige Organisation.

LibreOffice bietet Anwendungen für

  • Textverarbeitung (Writer)
  • Tabellenkalkulation (Calc)
  • Präsentationen (Impress)
  • Zeichnungen (Draw)
  • Datenbanken (Base)
  • Formeleditor (Math)

Die Software arbeitet mit dem OpenDocument Format. Die entsprechenden Datenendungen sehen wie folgt aus:

  • .odt – ein Textdokument
  • .ods – ein Tabellendokument
  • .odp – eine Präsentationsdatei
  • .odg – eine Zeichnung oder Illustration

Mit LibreOffice können Sie die Bürosoftware von Microsoft ersetzen. Es lassen sich mit dieser Software auch Microsoft-Dateien mit den Endungen .docx, .pptx und .xlsx problemlos öffnen und bearbeiten.

Cryptpad

Das Cryptpad beinhaltet Apps für die Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentation. Außerdem lassen sich Umfragen (Polls), Kanban-Boards und Whiteboards erstellen sowie Daten in einem Cloud Drive (CryptDrive) speichern. Da es sich um einen Cloud-Dienst handelt, ist Cryptpad nur online nutzbar. Dies ermöglicht das gleichzeitige Bearbeiten von Dokumenten durch mehrere Personen in Echtzeit. Daten müssen also zur Kollaboration nicht per Mail versandt werden, sondern können via Link geteilt werden.

Das Angebot von Cryptpad ist vollkommen anonym ohne Registrierung nutzbar. Mit kostenloser Registrierung wird 1 GB Cloudspeicherplatz gewährt. Aber auch bei der Registrierung eines Accounts ist keine Angabe personenbezogener Daten erforderlich und somit Anonymität gewährleistet.

Cryptpad ist ein Projekt des französischen Unternehmens XWiki SAS. Dieses ist laut eigener Aussage einer der weltweit führenden Anbieter von Open-Source-Lösungen zur Kollaboration, die in tausenden Unternehmen zum Einsatz kommen.

2. Teams und Skype: Videokonferenzsoftware

Videokonferenz-Technik hat durch die Corona-Pandemie einen starken Aufschwung erlebt. Microsoft Teams ist seit Mitte März in nur sechs Monaten um 40 Mio. tägliche aktive Nutzer:innen gewachsen. Inzwischen nutzen 115 Mio. Menschen Teams täglich.

Teams ist nur im Rahmen eines Business- oder Enterprise-Lizenzplans verfügbar. Allerdings können inzwischen externe Nutzer:innen, also solche ohne Microsoft 365-Konto, zu Videokonferenzen eingeladen werden. Für den Privatgebrauch wird deshalb oft Skype verwendet. Standardmäßig sind Skype-Gespräche aber nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Bei Zweier-Gesprächen können Sie eine private Unterhaltung und daraufhin einen privaten Anruf basierend auf dem Signal-Protokoll Ende-zu-Ende-verschlüsseln. Dies müssen Sie aber manuell aktivieren. Eine Anleitung dazu finden Sie hier. Ob private Konversationen bei Skype tatsächlich vollständig verschlüsselt sind, darf angezweifelt werden.

Im Folgenden stellen wir zwei sichere Dienste vor, die Teams und Skype ersetzen können: Jitsi Meet und BigBlueButton. Diese eignen sich auch für den Privatgebrauch.

Jitsi Meet

Jitsi ist der Überbegriff für eine Sammlung von quelloffenen (Open-Source) Softwarelösungen für Videokonferenzen, Instant Messaging und IP-Telefonie (VoIP).

Jitsi Meet bezeichnet das kostenlose Videokonferenztool für verschlüsselte Kommunikation. Der Quellcode findet sich auf GitHub.

Um Jitsi Meet benutzen zu können, bedarf es weder einer Installation noch einer Registrierung. Die Nutzung ist werbefrei und kostenlos. Videokonferenzen können direkt über den Webbrowser abgehalten werden. Die Technik, die dies ermöglicht heißt WebRTC, ein Standard, der Echtzeitkommunikation ermöglicht. Hierdurch ist die Nutzung unabhängig vom eigenen Betriebssystem. Empfehlenswert ist es, für Jitsi Meet den Chromium Browser (dazu unten mehr) zu nutzen, da es bei Firefox hin und wieder zu Problemen kommen kann. Außerdem gibt es Apps für Android und iOS sowie im F-Droid Store.

Jede:r kann einen Konferenzraum eröffnen und Teilnehmer:innen einladen. Dazu kopiert und teilt man den Link zum Konferenzraum. Optional kann der Zutritt zum Konferenzraum mit einem Passwort geschützt werden. Es ist auch möglich, den Dienst auf einem eigenen Server zu hosten.

Im Konferenzraum können Teilnehmer:innen per Audio und Video kommunizieren, ihren Bildschirm teilen (am Desktop kann ausgewählt werden, welche Ansicht geteilt werden soll), die Sitzung aufzeichnen, Statistiken über die jeweilige Redezeit anzuzeigen und miteinander zu chatten.

Infolge der Corona-Pandemie stieg auch bei Jitsi Meet die Anzahl der Nutzer:innen. Bei Meetings mit sehr vielen Personen kam es deshalb immer wieder zu Performance-Problemen und Instabilitäten. Für den Einsatz mit kleineren Gruppen mit bis zu zehn Personen eignet sich Jitsi Meet jedoch bestens und läuft auch weitestgehend stabil.

BigBlueButton

BigBlueButton ist eine Open-Source-Lösung für Video- und Webkonferenzen. Der Code ist auf GitHub veröffentlicht. Das kanadische Unternehmen BigBlueButton Inc. hat seinen Sitz in Ottawa.

BigBlueButton funktioniert über den Webbrowser und nutzt HTML 5 sowie den vom Browser unterstützten offenen Standard WebRTC, um Echtzeitkommunikation zu ermöglichen. Der Einsatz ist damit unabhängig vom Betriebssystem und erfordert keine Installation einer Software. Der Einsatz ist vor allem für den Bildungsbereich optimiert. Deshalb lässt sich BigBlueButton (BBB) in Lernplattformen wie Moodle und ILIAS einfach integrieren.

BigBlueButton bietet unter anderem folgende Funktionen:

  • Audiokonferenz
  • Videokonferenz per Webcam
  • Screensharing zum gemeinsamen Betrachten von Präsentationen, Bildern, Dokumenten usw.
  • Whiteboard für Moderator:in mit Freigabemöglichkeit zur gemeinsamen Nutzung
  • Teilen von Notizen
  • Chatfunktion (öffentlich und privat)
  • Breakout Rooms (Sub-Konferenzräume für kleinere Gruppen)
  • Umfragefunktion

Webkonferenz-Teilnehmer:innen werden verschiedene Rollen zugewiesen. Sie sind entweder Moderator:in oder Betrachter:in. Moderator:innen können alle Funktionen nutzen und anderen Berechtigungen zuweisen. Sie können eine Konferenz auch aufzeichnen und die Aufzeichnung wieder stoppen. Betrachter:innen können an den Konferenzen per Audio und/oder Video teilnehmen, sind jedoch in ihrem Aktionsradius von Moderator:innen abhängig. Denn diese können Betrachter:innen stumm schalten (und die Stummschaltung aufheben), aus der Konferenz ausschließen oder den Moderatorstatus zuweisen. Ein Tutorial-Video zeigt und erklärt alle Funktionen ausführlich.

Um den Datenschutz sicherzustellen, kann BigBlueButton auf eigenen Servern betrieben werden. Als Webkonferenztool wird es von Bildungsministerien mehrerer Bundesländer auf eigenen Servern gehostet. Für Lehrveranstaltungen wird es nicht nur von Schulen wie in Baden-Württemberg, sondern auch von Universitäten und Hochschulen genutzt. Es wird zudem vom US-Verteidigungsministerium genutzt.

Wer keinen eigenen Server hat, kann BigBlueButton auf der Seite senfcall ausprobieren. Diese wird von Student:innen der Universität Darmstadt und des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ehrenamtlich betrieben. Dort ist eine kostenlose, werbefreie und datensparsame Version von BigBlueButton für alle nutzbar.

3. Browser

Microsofts Browser Microsoft Edge verwenden weltweit ca. 3 Prozent. In Deutschland liegt der Anteil bei ca. 5 Prozent. Der Markt wird zwar eindeutig von Googles Browser Chrome beherrscht. Inzwischen gibt es sehr viele Alternativen: Opera, Microsoft Edge, Mozilla Firefox, Chromium, Apple Safari, Internet Explorer, Brave, Tor Browser, Epic, Duck Duck Go Browser. Die zwei aus unserer Sicht besten Browser stellen wir hier vor.

Mozilla Firefox

Der 2002 veröffentlichte Webbrowser Mozilla Firefox gehört zu den drei am meisten genutzten - auch wenn ihn weltweit nur 3,8 Prozent verwenden. Mittlerweile gibt es auch eine mobile Version für Smartphones. Mozilla Firefox ist eine quelloffene Software. Sie wird veröffentlicht unter GNU General Public Licences, der am weitesten verbreiteten Lizenz für freie Software.

Firefox bietet einen privaten Modus. In diesem werden weder die besuchten Seiten gespeichert noch andere Daten, die beim Surfen anfallen. Außerdem werden in diesem Modus Inhalte blockiert, die Nutzer:innen über mehrere Seiten hinweg verfolgen können. Diese Daten können außerdem durch das Löschen der Chronik auch im Standard-Modus gelöscht werden. Außerdem schützt Firefox seine Benutzer:innen vor Phishing und Malware. Dazu werden die besuchten Webseiten und die Signaturen von Programmen, die Nutzer:innen heruntergeladen haben, mit verdächtigen Seiten und Dateien verglichen. Genutzt wird dazu eine lokal gespeicherte Liste in Firefox, die standardmäßig von Google gespeist und halbstündig aktualisiert wird.

Darüber hinaus können Sie Firefox nach Ihren Wünschen gestalten. Der Browser bietet eine große Zahl an zusätzlichen Erweiterungen (sog. Add-ons), mit denen die Sicherheit weiter erhöht und die Nutzung bequemer gemacht werden kann. Ein Hinweis zu Add-ons ist angebracht, wenn Sie Ihren Browser konfigurieren möchten: Mehr ist nicht immer besser. Beim Einsatz vieler Add-ons besteht die Gefahr, dass Sie aus der Menge der Browser-Nutzer:innen herauszustechen. Dies eröffnet das Risiko des Browser Fingerprintings.

Hier finden Sie eine Anleitung, um die Privatsphäre-Einstellungen anzupassen.

Mozilla Firefox ist der beste Allround-Browser. Allerdings ist auch Mozilla nicht vor Kritik gefeit. Die Mozilla Foundation hat finanzielle Zuwendungen von Google dafür erhalten, dass die Google-Suchmaschine als Standardsuchmaschine voreingestellt ist. Seit 2017 besteht nach Kündigung eines Vertrags mit Yahoo (nach Übernahme durch Verizon) wieder ein neuer Vertrag zwischen Google und Mozilla. Dieser Vertrag mit Google sichert Mozillas Fortbestehen, denn das Geld von Google macht einen sehr großen Anteil von Mozillas Einnahmen aus.

Chromium

Chromium ist die Open-Source Variante von Google Chrome. Ein großer Teil seines Quellcodes wird auch bei Chrome verwendet. Chrome basiert also gewissermaßen auf Chromium. Allerdings wird Chromium mit der BSD-Lizenz quelloffen zur Verfügung gestellt. Google ist nicht die einzige Firma, die an der Entwicklung und Bereitstellung von Chromium beteiligt ist. Darüber hinaus leistet zum Beispiel auch Mozilla einen Beitrag.

Chromium steckt in Teilen in vielen weiteren Browsern wie zum Beispiel dem neuen Microsoft Edge. Als fertiger Browser für Endnutzer:innen ist Chromium aber erst seit kurzem verfügbar. Zuvor war der Browser nur für Entwickler:innen gedacht und es gab keinen Installer. Nutzer:innen mussten selbst auf den Quellcode zurückgreifen, um Chromium zu nutzen. Das hat sich allerdings geändert und Chromium ist nun zum Download verfügbar.

Wie bei allen anderen Browsern ist es auch hier wichtig, darauf zu achten, immer die neueste Version zu nutzen. Google ändert den Quellcode von Chromium beinahe täglich.

Im Gegensatz zu Chrome hat Chromium weniger Features. So ist zum Beispiel kein Flash Player integriert. Dies sorgt aber für zusätzliche Sicherheit, da weniger Tracking Reports zum Nutzungsverhalten erstellt werden.

Wer Chromium unabhängig von Google nutzen möchte, kann auf spezielle Version von Chromium zurückgreifen. Auf GitHub gibt es eine solche Google-freie Version mit dem Namen ungoogled-chromium. Diese eignet sich aber nur für technikaffine Personen, da die Installation etwas Know-how erfordert.

Alle, die lediglich einen guten und sicheren Open-Source Browser möchten, der deutlich weniger Daten an Google sendet als Chrome, sind mit Chromium schon gut bedient. Wer mit Google überhaupt nichts zu tun haben möchte, sollte sich für die ungoogled-Version von Chromium entscheiden. Besonders empfehlenswert ist ein konfigurierter Firefox-Browser mit den richtigen Privatsphäreeinstellungen.

4. Microsoft OneDrive: Cloud-Dienste

Ein Cloud-Speicher oder präziser ausgedrückt das Filehosting erlaubt die Speicherung von Dateien auf einem zentralen Online-Datenspeicher, um sie von überall aus abrufen zu können. Zu den größten Anbietern zählen Google Drive, Microsofts OneDrive, Amazons Cloud Drive, Apples iCloud und natürlich Dropbox. Deshalb stellen hier die vor, die nur selten erwähnt werden. Dabei setzen wir den Fokus auf Datenschutz und Datensicherheit.

NextCloud

Eine der möglichen Alternativen kommt aus dem Ländle. Das Unternehmen Nextcloud aus Stuttgart bietet einen Cloud-Dienst an, der auf einem eigenen Server selbst gehostet werden kann. Damit verfolgt NextCloud das Ziel, Nutzer:innen die vollständige Datenhoheit zu ermöglichen. Wenn man die Dateien nicht selbst hosten will oder kann, besteht auch die Möglichkeit, seinen Cloudspeicher hosten zu lassen. Dann kann man aus einem Pool von Servern einen bestimmten auswählen. Dazu unterhält das Unternehmen ein dezentrales, förderiertes Netzwerk aus Servern mit geschätzten 25 Mio. Nutzer:innen.

Der Fokus des Unternehmens liegt auf Nachhaltigkeit sowie Privatheit und Sicherheit. Als Gegenmodell zu den amerikanischen Cloud-Anbietern arbeitet Nextcloud nicht mit einer zentralen Plattform, sondern dezentralisiert und verwendet Open-Source-Software.

Die Behörden aus den EU-Staaten Frankreich, Schweden und den Niederlanden nutzen Nextcloud für ihr Datenhosting und Filesharing.

Im Januar hat Nextcloud das Produkt Nextcloud Hub vorgestellt, in das das Office-Paket von ONLYOFFICE integriert wurde. Damit stellt NextCloud eine datenschutzkonforme Konkurrenz zu Microsoft Office 365 und Google Docs dar. Zudem gab NextCloud eine Kooperation mit 1&1 IONOS bekannt.

Syncthing

Syncthing ist eigentlich kein Cloud-Speicher, sondern eine Open-Source-Software zur Dateisynchronisation. Der Quellcode wurde auf GitHub veröffentlicht. Datenschutz und Datensicherheit stehen hier im Fokus. Die Dateien werden ohne zentralen Server direkt zwischen einzelnen Geräten, also Peer-to-Peer in Echtzeit synchronisiert. Die Kommunikation von Gerät zu Gerät erfolgt dabei mittels TLS und bedient Perfect Forward Secrecy. Die Datenübertragung ist Ende-zu-Ende verschlüsselt. Syncthing funktioniert unabhängig von der IP-Adresse. Die Identifikation der Geräte erfolgt über eine diesen zugewiesene eindeutige ID.

Syncthing wird betrieben von der Syncthing Stiftung, einer in Schweden registrierten nicht gewinnorientierten Stiftung mit Sitz in Malmö.

Fazit

Microsoft sammelt wie alle Tech-Riesen immer mehr Daten über seine Nutzerschaft. Insbesondere im Kontext mit der Einführung von Microsoft 365 an Schulen u.a. in Baden-Württemberg entbrannte eine Diskussion darüber, ob Microsoft überhaupt datenschutzkonform eingesetzt werden kann. Nach Ansicht der Konferenz der unabhängigen Datenschutzaufsichtsbehörden des Bundes und der Länder (DSK) sei ein datenschutzkonformer Einsatz von Microsoft 365 derzeit nicht möglich.

In einem Bericht aus dem Juli 2020 kritisiert der Europäische Datenschutzbeauftragte in einem 30-seitigen Bericht den internationalen Datentransfer: Es sei nicht klar geregelt, wo personenbezogene Daten gespeichert und wohin sie übermittelt werden. Neben personenbezogenen Daten werden zudem Diagnosedaten übermittelt. Diese Übermittlung sei nicht in vollem Umfang rechtmäßig. Beides müsse genauer geregelt werden. Zudem müssten Regelungen zu Art, Umfang und Zweck der Verarbeitung transparenter ausgestaltet werden.

Insgesamt herrscht zum Einsatz von Microsoft 365 derzeit große Ungewissheit. Denn nach dem Schrems-II-Urteil des EuGH aus dem Juli 2020 ist der internationale Datentransfer von Europa in die USA im bis dato erfolgten Umfang nicht mehr legal. Das schafft auch gerade bei vielen Unternehmen, die Microsoft-Dienste im großen Maßstab einsetzen, Unsicherheit. Aber auch Privatpersonen profitieren davon, wenn Sie auch alternative Dienste in Betracht ziehen. Denn mit jedem Update werden Microsoft-Dienste enger verzahnt, Datenschutzeinstellungen erschwert und Nutzer:innen durch irreführende Formulierungen vom Schutz Ihrer Privatsphäre abgehalten. Solche Dark Patterns hat der Norwegian Consumer Council in einer Studie aufgedeckt.

Aus diesen Gründen haben wir Ihnen in diesem Blogbeitrag ein paar datenschutzkonforme und sichere Alternativen vorgestellt, mit denen Sie Microsoft-Software ersetzen können. Bei der Auswahl der alternativen Dienste lag der Fokus auf den Dimensionen Datensicherheit, Datenschutz und Privatheit.

Übrigens, wenn Sie Windows als Betriebssystem verwenden, dann lohnt sich auf jeden Fall ein Blick in die Microsoft-Datenschutzeinstellungen Ihres Windows 10 Betriebssystems. Diese finden Sie so: Start > Einstellungen > Datenschutz. Dort können Sie Windows-Berechtigungen und App-Berechtigungen anpassen. Diese sollten Sie auch nach jedem Update wieder überprüfen, da die Einstellungen durch Microsoft zurückgesetzt werden.

Zudem sollten Sie Ihr Datenschutz-Dashboard und Ihren Aktivitätsverlauf überprüfen.

Für Privatpersonen ist es nahezu unmöglich die Übertragung von Telemetriedaten an Microsoft bei Windows 10 zu unterbinden. Nur in der Enterprise Version 1909 kann diese abgeschaltet werden. Dem Team Datenschutz der TU Berlin war es anhand einer Anleitung des BSI für die Windows Enterprise / Education / LTSB Editionen aber gelungen, die Telemetriedaten auch bei der Windows 10 Home Edition zu deaktivieren. Im Blog der TU Berlin finden Sie die entsprechende Anleitung (keine Gewähr).


Disclaimer

Gardion hat für die Nennung der genannten Dienste bzw. Unternehmen keinerlei finanzielle oder sonstige Leistungen erhalten. Die Auswahl und Nennung der genannten alternativen Dienste ist das Ergebnis eigener Recherche. Diese erfolgte unter Berücksichtigung der Faktoren Datenschutz, Datensicherheit, Open Source und Standort in Deutschland oder zumindest innerhalb der EU, sodass der Umgang mit den Daten der Nutzer:innen den gesetzlichen Vorgaben der DSGVO unterliegt.


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