Litauen empfiehlt: Werft chinesische Smartphones weg!

24 Sep 2021 | Thomas Schlenkhoff

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Die litauische Cybersicherheitsbehörde empfiehlt, keine Smartphones aus China zu kaufen bzw. bereits gekaufte zu entsorgen, weil sie systemkritische Begriffe zensieren und Sicherheitslücken aufweisen sollen. Wir warten die weitere Analyse ab und empfehlen bis dahin, Mobilgeräte von Shiftphone, Fairphone, Apple oder Samsung zu bevorzugen.

Reuters berichtet, dass das Verteidigungsministerium Litauens seit 21. September 2021 seinen Verbraucher:innen empfiehlt, keine chinesischen Mobiltelefone mehr zu kaufen und bereits vorhandene wegzuwerfen. Grund hierfür: Ein Regierungsbericht hat festgestellt, dass die Geräte über eingebaute Zensurfunktionen verfügen.

Die in Europa verkauften Handys des drittgrößten Smartphone-Anbieters Xiaomi (China) sollen über eine eingebaute Fähigkeit verfügen, um Begriffe wie „Free Tibet“, „Es lebe die Unabhängigkeit Taiwans“ oder „Demokratiebewegung“ zu erkennen und zu zensieren. Das behauptet zumindest die staatliche litauische Cybersicherheitsbehörde.

Laut deren Bericht existiert eine Liste von derzeit 449 chinesischen Begriffen, die von den Systemanwendungen des Xiaomi-Telefons sowie dessen Standard-Internetbrowser zensiert werden können. Und diese Liste wird ständig weiter aktualisiert.

Zwar sei diese Fähigkeit in der Software des Modells Mi 10T 5G von Xiaomi für die Europäischen Union deaktiviert, könne aber jederzeit auf Entfernung aktiviert werden, heißt es weiter im Bericht des Nationalen Zentrum für Cybersicherheit des litauischen Verteidigungsministeriums.

„Dies ist nicht nur für Litauen wichtig, sondern für alle Länder, die Xiaomi-Geräte verwenden“, geht es nach der litauischen Cybersicherheitsbehörde.

Der Bericht besagt weiterhin, dass Xiaomi-Telefone verschlüsselte Telefonnutzungsdaten an einen Server in Singapur senden. Eine Sicherheitslücke wurde auch im Modell P40 5G des chinesischen Herstellers Huawei gefunden. Bei einem weiteren chinesischen Hersteller, OnePlus, fanden sich bislang keine Sicherheitslücken.

„Unsere Empfehlung ist, keine neuen chinesischen Telefone zu kaufen und die bereits gekauften so schnell wie möglich loszuwerden“, sagte der stellvertretende Verteidigungsminister Margiris Abukevicius.

Xiaomi reagierte darauf bislang nicht. Dafür versprachen Vertreter von Huawei in den baltischen Staaten dem baltischen Nachrichtendienst (BNS Baltic News Service), dass seine Telefone keine Nutzerdaten nach außen senden.

Der Ton zwischen Litauen und China wird rauer

China verlangte letzten Monat, dass Litauen seinen Botschafter in Peking abzieht. China kündigte zudem an, seinen Gesandten in Litauens Hauptstadt Vilnius zurückzurufen.

Letzte Woche sprach bereits der nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, mit der litauischen Premierministerin Ingrida Simonyte und betonte die Unterstützung ihres Landes angesichts des Drucks aus China.

Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat nun Untersuchungen eingeleitet und wir erwarten gespannt, ob die Warnung der litauischen Cyberabwehr tatsächlich berechtigt ist.